Ulrike Mangel - VITA

1958 in Bad Homburg vor der Höhe geboren

1977 – 1979 Studium Kunst und Germanistik an der Universität Siegen 

1979 – 1982 Hochschule für Bildende Kunst Kassel, bei Prof. Dr. Spornitz

1983 / 1984 Lehrauftrag Gymnasium Wiesbaden

seit 1985 künstlerisch freischaffend mit den Schwerpunkten Malerei und Grafik lebt und arbeitet in Partenheim, Rheinhessen

Wort-Bilder

Bei Ulrike Mangel fallen Wort- und Sprachtropfen in die Bilder, hineingerührt wie Pistazienstückchen berühren sie die Grenze von Wort und Bild. Das klassische Wandbild fängt an zu sprechen. Die Wörter entsprechen keiner Bildszene, erzählen nicht einfache Epen und kommentieren nicht nur im Gegensinn: „ce n’est pas une pipe“. Die Wörter in den Bildern von Ulrike Mangel sind etwas Widersprüchliches, ein Dazwischen und Darüberhinaus.

 

Die Wörter tauchen bei Ulrike Mangel in Druckbuchstaben auf. „Aus den Zeitungen, die am Boden meines Ateliers ausgebreitet waren, um kleckernde Farbe aufzunehmen, sprangen mich die Überschriften an. Einzelne Wörter, Wortpaare und –zeilen befreiten sich aus ihren Kontexten, traten in mein Bewusstsein und riefen ganz eigene Bilder hervor“, erklärt die Künstlerin. Es ist die veröffentlichte Nachricht, die im Gedankenraum der Malerin eine dichterische Saite zum Klingen bringt. Sie selbst einverleibt sich die Sprache, verdaut und entäußert sie in einer sparsamen Wort-Musik.

Gefäße und Schläuche tauchen auf, Menschen, wie ausgeschnitten und doch nicht ausgedacht, beginnen auf ihren Bildern einen Gedankengang oder Handlungsweg. Es entstehen Spielräume, in denen die Gedankenspiele des Betrachters zu keinem „Ziel“ führen. Es gibt kein abzuhakendes Finale, sondern das Rad der Zeit dreht sich beim Betrachten weiter. Es entstehen Momente, die erkennen lassen: ich warfühldenke!

 

Die Bilder können von Weitem teilweise wie Spielkarten aussehen: verdichtete Zeichen, aber in Momentaufnahmen von Bewegung, während ihre Kompositionen wie in Um-Ordnung begriffen sind. Jedes Bildelement wirkt für sich und buchstabiert neu, was es sein könnte: Ding, Schatten, Farbe, Abstraktion. Die figürlichen Bildelemente, die Wörter und auch die farbigen Bildräume und Arabesken behalten ihr Eigenleben. Wenn der Betrachter sie aufeinander bezieht, zueinander in Bewegung setzt, bewegen sie sich und tauschen die Plätze. Wörter werden zu Arabesken, Farbflächen werden zu Körpern, Farbfelder zu Wind und Bewegung. Es gibt keinen Bildsinn zu entziffern, sondern die Bilder laden sich immer wieder neu beim Betrachten auf.

 

(Monika Frank-Auth, 2002)